Ich habe längere Zeit nichts mehr gebloggt, insbesondere nichts mehr über Facebook, dabei landen komischerweise über alle möglichen Facebook-Suchbegriffe mit weitem Abstand die meisten Besucher auf diesem Blog. An der Stelle ist sehr spannend, was Leute alles so alles suchen; ich hatte schonmal darüber geschrieben. Besonders wichtig scheint es den Leuten zu sein, bei Google zu erfahren, wie man am besten auf Facebook zum Geburtstag gratuliert. Naja, scheinbar gibt’s wirklich welche, die dabei Hilfe benötigen. Erst auf Platz 2 landen Leute auf diesem Blog, die nach Tipps zu Apple-Produkten suchen. Wie auch immer, derzeit scheint es mir angebracht, über das Thema Timeline aufzuklären.

Bereits Ende 2011 hat Facebook Timeline gestartet und den Benutzern freigestellt, dieses Feature zu aktivieren. Einige haben dies getan (so auch ich), andere haben es nicht getan. Vermutlich haben viele Facebook-Nutzer diesen Schritt nicht gemacht, weil das soziale Netzwerk wie so oft nicht hinreichend aufgeklärt hat. Eine unwirklich erscheinende Meldung am oberen Rand der Seite klickt man eben schnell weg.

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Hatte Mark Zuckerberg bei der Vorstellung der Timeline bei der f8-Konferenz noch angekündigt, dass die Timeline zunächst optional sei und erst irgendwann einmal verpflichtend werde, weil man es sich nicht zumuten möchte, zwei unterschiedliche Profil-Darstellungen weiter zu pflegen, so scheint sich diese Sichtweise geändert zu haben, denn die Anzeichen verdichten sich, dass die Timeline bereits in Kürze für alle Benutzer verpflichtend werden wird. Selbst das Handelsblatt berichtet darüber.

Was bietet die Timeline? Laut Facebook werden einige Key-Features angepriesen:

  1. Cover – ein breitformatiges Bild, welches ganz oben auf der Profilseite eingebettet wird und als Eye-Catcher dient
  2. Stories – die Lebensgeschichte des Facebook-Nutzers von seiner Geburt, über seinen Lebensweg vor der Facebook-Zeit,  über seine Facebook-Geburt bis hin zum aktuellen Datum; alle Ereignisse des Lebens, zumindest soweit Facebook bekannt, werden eingeblendet und chronologisch dargestellt
  3. Apps – alle thematisch sortierbaren Informationen, die Facebook oder den Facebook-Apps bekannt sind, werden gesammelt, aufbereitet und mutmasslich wohl sortiert dargestellt; z. B. “welche Musik habe ich im Zeitraum X-Y gehört?”, “wo war ich im letzten Monat?”, “welche neuen Freunde habe ich dieses Jahr gewonnen?”
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Grundsätzlich ist die Timeline nichts anderes, als das bisher gewohnte Profil. Die Optik mag ungewohnt erscheinen und das ist sie natürlich auch. An diesem Punkt scheiden sich die Geister, denn Geschmäcker sind verschieden – und das ist auch gut so. Mir persönlich gefällt die Timeline sehr gut, daher habe ich auch bereits sehr frühzeitig in 2011 darauf umgestellt.

Wichtig ist, und da kommt der Knackpunkt, dass die Privatsphäreneinstellungen bewusst gewählt werden. Denn mit Einführung der Timeline ist es deutlich einfacher, das komplette Leben eines Benutzers anzeigen zu lassen. Wer hat im bisherigen Profil auf der Pinnwand schon hunderte Male auf “Ältere Beiträge” geklickt, bis man das gesamte Leben des Nutzers ausgiebig untersucht hatte? Die Timeline sortiert alle Informationen chronologisch und bietet die Möglichkeit, bestimmte Zeitpunkte (Jahre, Monate) ganz bewusst anzusteuern. Alte Einträge, die längst in der Facebook-Antike verschwunden waren, geraten wieder ans Tageslicht.

Dies kann gleichzeitig Fluch und Segen sein. Vielleicht hatte man ganz zu Beginn seiner Facebook-“Karriere” mal Einträge gemacht, die man heute nicht mehr gerne sieht. Mit der Timeline wird es einfach, zu diesen Zeitpunkten zurück zu springen.

Und mehr noch, die Timeline stellt beispielsweise chronologisch dar, welche Bewegungen es im Leben des Benutzers gab, lange bevor er sich bei Facebook angemeldet hat. Wie geht das? Z. B. indem man, wie zum Beispiel ich, angegeben hat, dass man im Jahr 1991 umgezogen ist und von diesem Datum an in einer neuen Stadt lebte. In der alten Pinnwand ist das früher untergegangen oder wurde gar nicht dargestellt. Mit Einführung der Timeline werden solche Informationen optisch unübersehbar gut platziert.

Wer Familienangehörige – Mutter, Vater, Geschwister – bei Facebook angegeben hat, findet möglicherweise sogar deren Lebensmeilensteine in seiner eigenen Timeline wieder. So in meinem Fall z. B. das Geburtsdatum meiner Schwester. Meines Erachtens nicht schlimm, jedoch stellt dies in jedem Fall eine Änderung gegenüber das gewohnten Pinnwand dar und der Eine oder Andere möchte dies möglicherweise nicht in seiner Timeline sehen.

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WICHTIG: einmal aktiviert, lässt sich scheinbar nicht mehr von der Timeline zurück auf die alte Pinnwand schwenken! Nach der Aktivierung ist die Timeline für 7 Tage ausschliesslich für den jeweiligen Benutzer selbst sichtbar. Dieser Zeitraum sollte genutzt werden, um die korrekten Einstellungen vorzunehmen.

Was ist nun zu beachten? Meine Empfehlung ist: Timeline frühzeitig aktivieren, Einstellungen vornehmen und in jedem Fall regelmässig das eigene Profil besuchen und kontrollieren, ob sich hier Informationen finden, die nicht öffentlich sein sollten.

  1. Timeline aktivieren: hierzu einfach die Seite http://www.facebook.com/timeline aufrufen, ganz nach unten scrollen und dort die Timeline bzw. Chronik aktivieren
  2. Am Rundgang teilnehmen: ist die Timeline einmal aktiviert, wird man auf die eigene Profilseite umgeleitet, wo am oberen Bildschirmrand ein Rundgang angeboten wird; dort alle Funktionen und Änderungen anschauen und alle Informationen aufmerksam lesen
  3. Die Timeline-Hilfe lesen: hierzu die Hilfe-Seite aufrufen und eingehend über die vorgeschlagenen Schritte und die neuen Funktionen informieren
  4. Aktivitätenprotokoll kontrollieren: hierzu die eigene Timeline aufrufen und auf “Aktivitätenprotokoll” klicken und dort einzelne Einträge ausblenden; die entsprechenden Buttons erscheinen bei jedem Eintrag rechts oben in der jeweiligen Zeile und bieten die Option zum Ausblenden oder löschen
  5. Timeline komplett überprüfen: die eigene Timeline aufrufen und gegebenenfalls einzelne Einträge ausblenden oder gar komplett aus Facebook entfernen; übrigens: es gibt bei vereinzelten Punkten auch die Möglichkeit, das Datum zu ändern – so z. B. bei Fotos

Fazit: bei der Timeline handelt es sich in erste Linie um eine optisch komplett überarbeitete Darstellung des Profils. Aus der Pinnwand wird die Chronik. Die einfache Möglichkeit, gezielt ein bestimmtes Datum anzusteuern, bietet Stalkern neue Angriffspunkte, welche durch korrekte Privatsphäreneinstellungen umgangen werden können. Meines Erachtens ist die Timeline sehr gelungen und inzwischen bin ich selbst eher verwirrt, wenn ich ein Profil aufrufe, welches noch nicht umgestellt ist.

In jedem Fall – ob mit oder ohne Timeline – gilt: jeder Facebook-Nutzer sollte bewusst mit den Informationen umgehen, die er/sie teilt. Weiterhin empfiehlt es sich, regelmässig (=mindestens einmal täglich) das eigene Profil aufzurufen und zu kontrollieren, ob sich möglicherweise ungewollt Sachen eingeschlichen haben, die dort besser nicht hingehören.

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