{"id":7792,"date":"2010-08-23T21:41:40","date_gmt":"2010-08-23T19:41:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.thomasgericke.de\/v4\/interactive\/blog\/?p=7792"},"modified":"2011-03-17T03:47:10","modified_gmt":"2011-03-17T01:47:10","slug":"google-street-view-na-und","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.thomasgericke.de\/v4\/interactive\/blog\/2010\/08\/google-street-view-na-und\/","title":{"rendered":"Google Street View \u2013 na und?"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin ein wenig sp\u00e4t dran mit diesem Thema, heute m\u00f6chte aber auch ich mich zu Wort melden. Es folgt (m)eine Abhandlung dar\u00fcber, warum die ganze Debatte um das vermeintlich schlimme neue Projekt von Google ein schlechter Witz ist. Warum die Proteste teilweise nicht nur unangebracht, sondern schlicht falsch sind. Warum sich mancheiner tats\u00e4chlich \u00fcber ganz andere Dinge Sorgen und Gedanken machen m\u00fcsste.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-7892\" title=\"Google Street View\" src=\"http:\/\/www.thomasgericke.de\/v4\/interactive\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/Google-Street-View.png\" alt=\"\" width=\"479\" height=\"49\" srcset=\"https:\/\/www.thomasgericke.de\/v4\/interactive\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/Google-Street-View.png 479w, https:\/\/www.thomasgericke.de\/v4\/interactive\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/Google-Street-View-300x30.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 479px) 100vw, 479px\" \/><strong>Im Herbst 2010 soll Google Street View auch in Deutschland online gehen.<\/strong> \u00dcberall in den Medien wird bereits dar\u00fcber berichtet, selbst die Politik hat sich schon vermehrt eingeschaltet. Man kommt an diesem Thema fast nicht vorbei. Frankreich war 2008 Vorreiter in Europa. Hier gab es die staatliche Vorgabe, dass Gesichter und Autokennzeichen verpixelt wurden mussten. Kritische Stimmen aus dem Volk gab es kaum bis gar nicht.<\/p>\n<p>[ad#Google Adsense 468&#215;60 Image Inline]<\/p>\n<p><strong>Street View polarisiert sehr stark<\/strong>, da sich etliche Bundesb\u00fcrger in zweierlei Hinsicht von Google unterwandert sehen:\u00a01. in Bezug auf das Pers\u00f6nlichkeitsrecht und 2. in Bezug auf den Datenschutz. Bemerkenswert hierbei ist, mit welcher Vehemenz Deutsche auf die Barrikaden gehen und unserem internationalen Ruf alle Ehre machen: die Deutschen meckern, was das Zeug h\u00e4lt und als h\u00e4tten sie keine eigenen Probleme.<\/p>\n<p><strong>Es ist die Tatsache,<\/strong> dass das eigene Haus bzw. dessen Fassade im Internet frei zug\u00e4nglich gemacht werden soll. Dass dies in anderen L\u00e4ndern bereits seit langer Zeit Gang und Gebe ist, scheint uns in Deutschland nicht zu st\u00f6ren. Wir wollen es anders haben. Und so ist es nicht verwunderlich, dass Google dem Wunsch nachkam und die M\u00f6glichkeit einr\u00e4umt, unter Angabe bestimmter Daten, das eigene Heim verpixeln zu lassen. Ebenso wenig verwunderlich ist es, dass auch diesbez\u00fcglich erneut Stimmen laut wurden, die dann die Frist f\u00fcr diesen Widerspruchsantrag nicht f\u00fcr angemessen hielten.<\/p>\n<p><strong>Besonders kompliziert ist der Vorgang zum Verpixeln der H\u00e4user nicht.<\/strong> Adresse eintragen, auf der eingeblendeten Karte bis auf das eigene Hausdach zoomen und einen Marker hinterlassen und anschliessend noch ein paar Detail-Daten wie Stockwerk, Beschreibung der Fassade und des Grundst\u00fccks angeben.<\/p>\n<p><strong>Die Schweizer Rockband Gotthard<\/strong> f\u00fchrt in einem ihrer Songtexte an, dass wir Menschen wohl nie zufrieden sind und immer mehr wollen und dar\u00fcber die wichtigen Kleinigkeiten des Lebens vergessen.<\/p>\n<blockquote><p>Don&#8217;t you realize<br \/>\nYou&#8217;re living in a place you call home<br \/>\nAnd you&#8217;re never satisfied<br \/>\n&#8216;Cause the neighbour has<br \/>\nWhat you where dreaming of<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Und so ist es auch nicht verwunderlich<\/strong>, dass die Deutschen mehr als ihre Nachbarn aus Frankreich wollen. Hatte Google urspr\u00fcnglich angek\u00fcndigt, der Antrag auf Verpixelung des eigenen Hauses sei bis Mitte September 2010 m\u00f6glich, so wurde dieser Termin nun doch bis 15. Oktober 2010 um 24.00 Uhr verl\u00e4ngert.<\/p>\n<p><strong>Zu wirklich trauriger Ber\u00fchmtheit<\/strong> hat es eine <a href=\"http:\/\/www.rp-online.de\/duesseldorf\/duesseldorf-stadt\/nachrichten\/Buergerprotest-gegen-Google_aid_892897.html\" target=\"_blank\">Rentner-Clique aus D\u00fcsseldorf<\/a> geschafft. Die vier r\u00fcstigen Senioren haben dagegen gek\u00e4mpft, dass ihre H\u00e4user im Internet bei Google Street View gezeigt werden. Um ihrem Widerspruch Substanz zu verleihen, gaben sie sogar ein Interview und liessen sich vor ihren H\u00e4usern fotografieren. Der Artikel dar\u00fcber landete nicht nur in der Zeitung, sondern selbstverst\u00e4ndlich auch im Internet. Mit Foto der Rentner inkl. Haus. Naja, man kann dar\u00fcber streiten, ob das nun lustig oder traurig ist.<\/p>\n<p><strong>Man kann es nicht jedem recht machen.<\/strong> Aber ist es \u00fcberhaupt von N\u00f6ten, sich in Bezug auf Google Street View derart zu echauffieren? In meinen Augen nicht. Absolut nicht. Mit Street View wird in erster Linie ein Dienst angeboten werden, welcher einen ungemeinen Mehrwert bietet. Eine virtuelle St\u00e4dtereise, die Vorab-Begutachtung einer neuen Wohnung, die Erkundung von Parkm\u00f6glichkeiten sind nur einige der Vorteile. Und Google Street View macht zu dem auch noch Spass. Folgendes Video zeigt eine Tour durch Manhattan, New York City &#8211; erstellt mit Google Street View:<\/p>\n<p>[youtube]IyqYx4oGFqE[\/youtube]<\/p>\n<p><strong>Fakt 1: Pers\u00f6nlichkeitsrechte<\/strong><\/p>\n<p>Das Fotografieren von Strassen und H\u00e4usern sowie deren Ver\u00f6ffentlichung im Internet stellt keine Verletzung der Pers\u00f6nlichkeitsrechte von B\u00fcrgern dar. Man mag meinen, die selbstgebaute Hausfassade geh\u00f6rt einem, doch der Blick von einer \u00f6ffentlichen Strasse ist kein Eigentum der Anwohner, wie auch <a href=\"http:\/\/www.wissenslogs.de\/wblogs\/blog\/sprachlog\/allgemein\/2010-08-14\/pro-google-street-view\" target=\"_blank\">Anatol Stefanowitsch in seinem Blog eindrucksvoll beschreibt<\/a>. Anders w\u00fcrde es ausschauen, wenn Google uns nackt bei der Gartenarbeit ablichten und online stellen w\u00fcrde. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist soetwas ausgeschlossen. Und falls es dennoch passiert, werden die Bilder entfernt.<\/p>\n<p><strong>Fakt 2: Datenschutz<\/strong><\/p>\n<p>Die Sichtbarmachung deutscher Strassen im Internet verletzt keine datenschutzrechtlichen Bestimmungen. Was verstehen wir unter Datenschutz? Im Volksmund leider meist etwas ganz anderes. Der Gesetzgeber stellt unsere pers\u00f6nlichen Daten unter einen gewissen Schutz. <em>Wo halten wir uns auf? Mit wem telefonieren wir? Welche Internetseiten besuchen wir? Was essen wir?<\/em> <strong>Wer<\/strong> und <strong>was<\/strong>! Das sind hierbei die wichtigen Kriterien. Eine <em>lokale<\/em>,<em> temporale<\/em> oder <em>kausale<\/em> Eigenschaft in Verbindung mit einer <em>bestimmten<\/em> Person. Wer hat was gemacht? Die reine Zurschaustellung von Strassen und H\u00e4usern l\u00e4sst keinen R\u00fcckschluss darauf, wer in dem Haus wohnt.<\/p>\n<p>Wer jetzt aber der Meinung ist, seine Freunde und Verwandten w\u00fcrden ja das Haus kennen und damit auch erkennen, dem sei gesagt: diese Leute wissen doch eh schon, wo ihr wohnt.<\/p>\n<p>Im Antenne Bayern Interview sprach ein Gast, dessen Namen und Bedeutung mir entfallen ist, davon, dass die Verkn\u00fcpfung verschiedener Daten und Informationen erst problematisch wird. Welches Haus ist es (Info von <em>Google Street View<\/em>), wer wohnt darin (Info aus dem <em>Telefonbuch<\/em>) und was macht er darin (Info von <em>Facebook<\/em>)? Wer nun aber seine Adresse mit vollst\u00e4ndigem Namen \u00f6ffentlich gemacht hat und auch noch Bilder seiner verranzten Wohnung online stellt, der braucht sich ohnehin \u00fcber nichts mehr wundern.<\/p>\n<p><strong>Fakt 3:\u00a0Verstecken und Verbergen ist erst recht auff\u00e4llig<\/strong><\/p>\n<p>Lasst doch einfach eure H\u00e4user verpixeln, damit sie auf Google Street View nicht erkennbar sind. Aber lasst euch auch gesagt sein, dass ihr damit erst Interesse weckt. Auch das ist eine typisch Deutsche Angewohnheit: fahren wir f\u00fcr drei Wochen in den Urlaub, so lassen wir \u00fcberall die Rolll\u00e4den runter und verrammeln das ganze Haus. Prima, damit wissen kriminelle Vereinigungen direkt bescheid, wo sie in aller Seelenruhe die Bude ausr\u00e4umen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Fakt 4: Google Street View ist nicht schlimm!<\/strong><\/p>\n<p>Was tut Google? Die 20 gr\u00f6ssten St\u00e4dte Deutschlands sind in den letzten Jahren von Autos fotografiert worden. Alles, was von der Strasse aus zu sehen ist. Also Strassen, B\u00e4ume, Vorg\u00e4rten und ja, auch H\u00e4user. Allerdings sind weder Namen noch Klingelschilder zu erkennen. Autokennzeichen werden verpixelt und sind somit nicht zu lesen. Ebenso verh\u00e4lt es sich mit Gesichtern. Die nichtsahnende Ehefrau wird somit eher schwer ihren Ehemann mit seiner Geliebten auf der Strasse erkennen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Fakt 5: Das Internet weiss eh alles von dir!<\/strong><\/p>\n<p>Ich hatte neulich dar\u00fcber berichtet, <a href=\"http:\/\/www.thomasgericke.de\/v4\/interactive\/blog\/2010\/08\/facebook-weiss-wo-du-rumsurfst\/\" target=\"_blank\">dass Facebook Bewegungsprofile von Benutzern erstellen kann<\/a>. Zumindest dar\u00fcber, auf welchen Webseiten sich ein Facebook-User sonst noch so aufh\u00e4lt. Es geht noch schlimmer. Dass Amazon uns gezielt Werbung f\u00fcr genau die Produkte anzeigt, f\u00fcr die wir uns tendenziell interessieren, ist noch vergleichsweise harmlos &#8211; kennen wir ja schon seit Ewigkeiten von unseren Payback-Punkten.<\/p>\n<p>[ad#Google Adsense 468&#215;60 Image Inline]<\/p>\n<p><strong>Richtig spannend wird es,<\/strong> wenn die entsprechenden Vereinigungen zusammenarbeiten. Also Facebook, Google, Amazon, Twitter und die Regierungen. Eine bessere \u00dcberwachung k\u00f6nnte sich die NSA gar nicht vorstellen. Dank Geopositionen weiss man nicht nur, was jemand gerade macht und welchen Cocktail er\/sie sich nochmal durch den Kopf gehen l\u00e4sst, sondern auch ganz genau wo das passiert. Letzte Woche haben wir uns bei Amazon noch f\u00fcr einen Multimedia-Artikel interessiert, kaum verwunderlich, wenn uns ein anderer Dienst scheinbar total zuf\u00e4llig einschl\u00e4gige Werbung aufs Handy schickt, wenn wir gerade an einem Media Markt vorbeifahren.<\/p>\n<p><strong>Klingt irre?<\/strong> Ist aber keinesfalls abwegig. Der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann teilte (ebenfalls auf Antenne Bayern) genau diese Bedenken. Ansonsten hielt er sich, wie von einem Politiker gew\u00f6hnt, mit konkreten Antworten auf Fragen recht zur\u00fcck. Doch eine Information konnte ihm entlockt werden: auch Herr Herrmann will seine M\u00fcnchner Wohnung bei Google Street View verpixeln lassen. Vermutlich l\u00e4sst auch er die Rolll\u00e4den runter, wenn das Kabinett Sommerpause hat.<\/p>\n<p><strong>Mein Fazit:<\/strong> ich finde Google Street View klasse! Auch soziale Netzwerke und die Erhebung von Daten durch Unternehmen finde ich okay. Schliesslich habe ich auch nichts zu verbergen. Komisch wird&#8217;s dann, wenn die Daten nicht dort bleiben, wo sie erhoben wurden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin ein wenig sp\u00e4t dran mit diesem Thema, heute m\u00f6chte aber auch ich mich zu Wort melden. Es folgt (m)eine Abhandlung dar\u00fcber, warum die ganze Debatte um das vermeintlich schlimme neue Projekt von Google ein schlechter Witz ist. Warum die Proteste teilweise nicht nur unangebracht, sondern schlicht falsch sind. 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